Der Druck auf Kylian Mbappé wächst. Beim 2:0-Heimsieg von Real Madrid gegen Real Oviedo in der spanischen La Liga am Donnerstagabend wurde der französische Superstar von den eigenen Fans ausgepfiffen. Auslöser war eine Aussage des Stürmers nach dem Spiel, in der er seinen Frust über die Entscheidungen von Trainer Álvaro Arbeloa öffentlich machte. „Ich stand nicht in der Startelf, weil der Trainer sagte, dass ich in seinen Augen nur der vierte Stürmer sei, hinter Mastantuono, Vini und Gonzalo. Das akzeptiere ich“, erklärte Mbappé vor Journalisten.
Die Szene in der 68. Minute, als Mbappé unter lauten Buhrufen das Feld betrat, verdeutlicht die angespannte Stimmung. Als er elf Minuten später mit einer Vorlage auf Jude Bellingham das 2:0 einleitete, war die Anspannung jedoch kurzzeitig vergessen. Dennoch wirft die gesamte Episode ein Schlaglicht auf die zunehmenden Reibungsverluste innerhalb der Königlichen. Medienberichten zufolge soll Mbappé während seiner verletzungsbedingten Auszeit mit Schauspielerin Ester Expósito nach Italien gereist sein, was ihm den Vorwurf einbrachte, seine Genesung nicht ernst zu nehmen und sich für die anstehende Weltmeisterschaft schonen zu wollen.
Arbeloa widerspricht Mbappé deutlich
Trainer Álvaro Arbeloa reagierte überrascht auf die Aussagen seines Stürmers. „Ich habe keine vier Stürmer und habe so etwas nicht zu Mbappé gesagt. Er hat mich wahrscheinlich nicht verstanden. Ich weiß wirklich nicht, was ich euch sagen soll“, sagte Arbeloa. Die Wortwahl des Franzosen deutet jedoch auf ein tieferes Misstrauen hin. Mbappé selbst betonte, dass er sich zu 100 Prozent fit fühle und bereit gewesen sei, von Anfang an zu spielen. „Du kannst nicht sauer auf den Trainer sein, du musst immer die Entscheidung des Trainers akzeptieren. Ich werde weiter hart arbeiten und darauf warten, wieder ein Starter zu sein“, fügte er hinzu.
Die Unstimmigkeiten zwischen Mbappé und Arbeloa sind nicht die ersten Konflikte in dieser Saison. Erst vor wenigen Tagen verhängte der Club eine Strafe von jeweils 500.000 Euro gegen die Mittelfeldspieler Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni, nachdem es in der Kabine zu einer handfesten Auseinandersetzung gekommen war. Valverde erlitt dabei Verletzungen am Kopf. Diese Vorfälle deuten auf eine angespannte Teamatmosphäre hin, die auch Mbappés Aussagen befeuern.
Mbappés schwieriger Start bei Real Madrid
Der 27-jährige Franzose wechselte im Sommer 2024 mit großen Erwartungen von Paris Saint-Germain zu Real Madrid. Als einer der besten Stürmer der Welt sollte er die Nachfolge von Karim Benzema antreten und das Team in eine neue Ära führen. Doch trotz beeindruckender individueller Leistungen – Mbappé erzielte in seinen ersten 20 Spielen 14 Tore und bereitete sieben weitere vor – blieb der erhoffte Durchbruch aus. Verletzungen, Formschwankungen und taktische Anpassungen erschwerten seine Integration. Dass Trainer Arbeloa ihn nun nur als vierten Stürmer betrachtet, wäre ein herber Rückschlag für einen Spieler seines Kalibers.
Hinter den Kulissen brodelt es. Mehrere spanische Medien berichten von Unzufriedenheit in der Kabine. Einige Spieler sollen sich über Mbappés vermeintliche Extrawürste beschweren – etwa seine Reisen während der Reha oder seine enge Bindung zu Berater und Mutter Fayza Lamari. Andere verteidigen den Stürmer und verweisen auf dessen Professionalität. Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte, aber die öffentliche Austragung solcher Konflikte schadet dem Image des Vereins.
Die historische Bedeutung interner Krisen bei Real Madrid
Real Madrid ist kein Verein, der Konflikte gewohnt ist. In der Vergangenheit gab es immer wieder Phasen der Uneinigkeit – etwa zwischen Cristiano Ronaldo und Trainer José Mourinho oder zwischen Sergio Ramos und dem damaligen Präsidenten Florentino Pérez. Doch die aktuelle Situation wirkt anders: Es geht nicht um Einzelpersonen, sondern um ein strukturelles Problem. Der Kader ist überaltert, junge Talente wie Eduardo Camavinga und Rodrygo kommen nicht an die Stammplätze, während Altstars wie Luka Modrić und Toni Kroos langsam ihre Grenzen zeigen. Mbappé sollte diese Übergangsphase moderieren, doch stattdessen wird er selbst Teil des Problems.
Arbelaos Position als Trainer ist ebenfalls nicht unumstritten. Der ehemalige Verteidiger, der 2023 die Nachfolge von Carlo Ancelotti antrat, hat noch keinen Titel gewonnen. In der Liga liegt Real Madrid nach 22 Spielen auf dem dritten Platz, fünf Punkte hinter dem FC Barcelona. In der Champions League droht nach einer Niederlage gegen den AC Mailand das Aus in der Gruppenphase. Die Krise auf dem Platz spiegelt die Krise in der Kabine wider.
Die Rolle der Medien und der Fans
Die spanische Presse heizt die Stimmung zusätzlich an. Zeitungen wie Marca und AS titeln täglich mit neuen Enthüllungen über Mbappés angebliche Eskapaden. Die Fans reagieren darauf mit Pfiffen und Plakaten. „Spiel für den Verein, nicht für dich selbst“ stand bei Oviedo auf einem Transparent. Mbappé scheint zwischen den Fronten gefangen zu sein. Dabei hat er in der Vergangenheit immer wieder betont, wie sehr er Real Madrid liebe – und dass der Wechsel ein Kindheitstraum gewesen sei. Doch dieser Traum droht zum Albtraum zu werden.
Die nächsten Wochen werden entscheidend sein. Am Samstag empfängt Real Madrid den FC Sevilla, ein Spiel, das über den weiteren Verlauf der Saison mitentscheiden könnte. Mbappé wird aller Voraussicht nach wieder von der Bank kommen müssen – was die Gemüter weiter erhitzen dürfte. Sollte Arbeloa ihn tatsächlich als vierten Stürmer betrachten, wäre das eine Demütigung, die Mbappé kaum hinnehmen würde. Ein Transfer im Winter ist zwar unrealistisch, aber Gerüchte über einen Wechsel zu Manchester City oder zurück zu PSG werden bereits laut.
Faktische Zusammenfassung der Ereignisse
Kylian Mbappé wurde nach dem 2:0-Sieg gegen Real Oviedo von den Fans ausgepfiffen, weil er in der 68. Minute eingewechselt wurde und zuvor eine Reise nach Italien während seiner Verletzungsauszeit unternommen hatte. Der Franzose äußerte nach dem Spiel, dass Trainer Arbeloa ihn nur als vierten Stürmer betrachte. Arbeloa wies diese Darstellung zurück. Die Situation ist Teil einer Serie interner Konflikte bei Real Madrid, zu der auch eine Schlägerei zwischen Valverde und Tchouaméni gehört. Mbappé kam 2024 von PSG und erfüllt bisher nicht alle Erwartungen. Der Verein steht unter Druck, die Stimmung zu beruhigen und sportlich bessere Ergebnisse zu liefern.
Real Madrids Saison hängt am seidenen Faden. Die Königlichen müssen in den kommenden Spielen liefern, um wenigstens den Anschluss in der Liga zu halten. Mbappé wird dabei eine Schlüsselrolle spielen – ob als Nummer eins, vier oder gar nicht. Die Fans werden ihn weiter beobachten, und die Medien jedes Detail analysieren. Der Ärger um Kylian Mbappé ist noch lange nicht vorbei.
Hintergrund: Mbappé ist seit fast einem Jahrzehnt im internationalen Fußball ein Begriff. Schon mit 17 Jahren feierte er bei der AS Monaco seinen Durchbruch, führte den Club zur Meisterschaft und wechselte 2017 zu PSG. Mit den Parisern gewann er sechs Ligue-1-Titel und war 2018 Weltmeister mit Frankreich. Bei Real Madrid sollte er die Ära nach Ronaldo und Benzema prägen. Doch die Umstellung auf das spanische Spiel, die taktischen Vorgaben von Arbeloa und die immensen Erwartungen lasten schwer. Die Frage ist nicht, ob Mbappé gut genug ist, sondern ob er in dieses System passt.
Source: Tagesspiegel News