Am Freitag vor dem Beginn von Roland-Garros 2024 bezog Novak Djokovic Stellung zu den Diskussionen über die Einnahmenverteilung bei Grand-Slam-Turnieren. Der serbische Superstar stellte klar, dass er nicht Teil der kollektiven Protestbewegung ist, die von einigen Spielern ins Leben gerufen wurde. Zugleich bekräftigte er sein allgemeines Engagement für die Rechte der Spieler und die Zukunft des Tennissports.
„Nein, ich bin nicht Teil davon. Ich kann nichts kommentieren, woran ich nicht beteiligt war. Ich habe weder an den Gesprächen noch an der Planung oder Entscheidungsfindung teilgenommen. Also kann ich ehrlich gesagt nicht viel dazu sagen“, erklärte Djokovic auf der Pressekonferenz vor seinem ersten Match. „Was ich tun kann, ist meine Position zu bekräftigen, die ich im Laufe meiner Spielerkarriere, die so viele Jahre meine Hauptrolle in diesem Sport war, oft geäußert habe. Ich bin auch nicht Teil von der 15-minütigen Protestbewegung.“
Hintergrund der Diskussionen um die Einnahmenverteilung
Die Debatte über die Verteilung der Einnahmen bei Grand-Slam-Turnieren ist nicht neu. In den vergangenen Jahren haben immer wieder Spieler, insbesondere aus den unteren Rängen der Weltrangliste, kritisiert, dass der Anteil der Preisgelder im Vergleich zu den Gesamteinnahmen der Turniere zu gering sei. Große Namen wie Novak Djokovic haben sich in der Vergangenheit für eine gerechtere Verteilung eingesetzt. Allerdings distanzierte sich Djokovic nun von einem konkreten Protestplan, der angeblich kurz vor Roland-Garros von einer Gruppe von Spielern vorbereitet wurde.
Djokovic betonte, dass die wirtschaftliche Seite des Sports oft zu sehr in den Fokus gerückt werde. „Wir neigen dazu – und wenn ich ‚wir‘ sage, schließe ich die Medien und alle Akteure des Spitzentennis ein – über die wirtschaftliche Seite zu sprechen und darüber, was die großen Stars verdienen oder nicht. Aber wir vergessen, wie gering die Anzahl der Menschen ist, die tatsächlich von diesem Sport leben können.“ Mit dieser Aussage unterstrich er die Notwendigkeit, sich auf die strukturellen Probleme des Tennis zu konzentrieren, anstatt nur über die Spitzenverdiener zu diskutieren.
Djokovics Karriere und sein Einsatz für Spielerbelange
Novak Djokovic ist nicht nur für seine sportlichen Erfolge bekannt, sondern auch für sein Engagement in der Spielervertretung. Als ehemaliger Vorsitzender des ATP-Spielerrats setzte er sich für bessere Bedingungen für Profis ein, insbesondere für jene, die außerhalb der Top 100 stehen. Er gründete die Professional Tennis Players Association (PTPA), die sich für mehr Transparenz und Einfluss der Spieler einsetzt. Dennoch legte Djokovic Wert darauf, dass er in der aktuellen Protestaktion nicht involviert sei. „Ich habe meine eigene Art, die Interessen der Spieler zu vertreten“, sagte er. „Ich respektiere jede Initiative, aber ich muss dort mitwirken, wo ich wirklich einen Beitrag leisten kann.“
Der 36-jährige Serbe hat in seiner Karriere 24 Grand-Slam-Titel gewonnen, darunter dreimal Roland-Garros (2016, 2021, 2023). In diesem Jahr geht er als Titelverteidiger an den Start, doch die Vorbereitung war von Verletzungen geprägt. Djokovic hatte in den letzten sechs bis acht Monaten mit körperlichen Problemen zu kämpfen, darunter eine Handgelenksverletzung, die ihn zu einer Pause zwang. „Ich habe in den letzten sechs bis acht Monaten körperlich schwierige Momente durchgemacht. Das ist mein Hauptziel“, erklärte er.
Auswirkungen von Carlos Alcaraz‘ Absage
Ein weiteres Thema der Pressekonferenz war die Absage des zweifachen Titelverteidigers Carlos Alcaraz. Der 21-jährige Spanier musste aufgrund einer Handgelenksverletzung seine Teilnahme an Roland-Garros absagen. Djokovic zeigte sich verständnisvoll. „Nun, er ist der zweifache Titelverteidiger von Roland-Garros. Natürlich ist das ein großer Verlust für das Turnier. Aber ehrlich gesagt ändert das nicht viel an meiner Herangehensweise. Ich habe in den letzten sechs bis acht Monaten körperlich schwierige Momente durchgemacht. Das ist mein Hauptziel.“
Djokovic betonte, dass er sich nicht auf die Abwesenheit von Konkurrenten verlassen könne. „Ich habe nicht viel darüber nachgedacht, ob ich ohne Carlos mehr Chancen hätte oder nicht. Denn ich denke, wenn ich gesund bin und während des Turniers ein bestimmtes körperliches Niveau halten kann, dann habe ich immer Optionen. Es ist klar, dass ich zu Beginn nicht die gleiche Frische haben werde wie am Ende des Turniers. Aber wenn ich in guter körperlicher Verfassung bleibe und vorankomme, denke ich, dass ich immer eine große Chance habe. Das habe ich dieses Jahr in Australien gezeigt, wo ich kurz davor war, einen weiteren Grand Slam zu gewinnen. Diese Überzeugung habe ich immer, wenn ich auf den Platz gehe.“
In Melbourne war Djokovic im Halbfinale gegen Jannik Sinner ausgeschieden, nachdem er zuvor mit einer Handgelenksverletzung zu kämpfen gehabt hatte. Dennoch zeigte er, dass er auch unter schwierigen Bedingungen konkurrieren kann. Die Australian Open 2024 waren ein Beweis für seine Widerstandsfähigkeit.
Lob für Jannik Sinner
Abschließend äußerte sich Djokovic lobend über die Nummer 1 der Welt, Jannik Sinner. Der Italiener hatte in diesem Jahr bereits mehrere Titel gewonnen, darunter die Australian Open und die Masters-Turniere in Miami und Monte Carlo. Djokovic sieht Sinner als den größten Profiteur von Alcaraz‘ Abwesenheit. „Ohne Carlos hier hat er größere Chancen, den Grand Slam zu gewinnen. Ich weiß, wie schwierig es ist, alle neun Masters 1000 zu gewinnen.“ Sinner ist der einzige Spieler, der in dieser Saison eine solche Dominanz gezeigt hat, und viele Experten sehen ihn als den Topfavoriten für Roland-Garros.
Doch Djokovic warnt davor, die anderen Spieler zu unterschätzen. „Roland-Garros ist ein besonderes Turnier. Es gibt viele Spieler, die auf Sand stark sind, wie zum Beispiel Stefanos Tsitsipas, Casper Ruud oder Alexander Zverev. Ich denke, das Turnier wird sehr offen sein. Jeder, der in Form ist, hat eine Chance.“ Der Serbe selbst wird in der ersten Runde auf den Franzosen Giovanni Mpetshi Perricard treffen, der auf Platz 80 der Weltrangliste steht und 22 Jahre alt ist. Mpetshi Perricard ist ein hoffnungsvolles Talent, das mit seiner Aufschlagstärke für Überraschungen sorgen kann. Djokovic zeigte sich respektvoll: „Er ist ein junger, talentierter Spieler, der zu Hause spielt. Das wird eine Herausforderung, aber ich bin bereit.“
Mit diesen Aussagen untermauerte Djokovic seinen Fokus auf das eigene Spiel. Er will in Paris seinen 25. Grand-Slam-Titel holen und damit den Rekord von Margaret Court einstellen. Die Franchise-Rekordjagd ist ein weiterer Antrieb für den serbischen Champion. „Ich denke nicht jeden Tag an Rekorde, aber sie sind eine Motivation. Ich konzentriere mich auf das, was ich auf dem Platz tun muss, um mein bestes Tennis zu spielen. Wenn ich das schaffe, kommen die Ergebnisse von selbst.“
Die Pressekonferenz endete mit einer Frage zu den äußeren Bedingungen. Djokovic äußerte sich zu den wechselhaften Wetterprognosen in Paris: „Es wird Regen geben, die Plätze werden schwerer sein. Das erfordert eine andere Taktik. Aber ich habe auf allen Belägen Erfahrung. Ich passe mich an, so gut ich kann.“
Novak Djokovic startet am Montag in sein erstes Match bei Roland-Garros 2024. Die Tenniswelt wird gespannt beobachten, ob er seine Form finden und seinen Titel verteidigen kann. Die Diskussionen um die Einnahmenverteilung werden während des Turniers sicherlich weitergehen, doch Djokovic hat klargestellt, dass er seinen eigenen Weg geht.
Source: MSN News