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Vom Banker zum Premier: Rishi Sunaks steiler Aufstieg in der britischen Politik

May 29, 2026  Twila Rosenbaum  10 views
Vom Banker zum Premier: Rishi Sunaks steiler Aufstieg in der britischen Politik

Frühe Jahre und Bildung

Rishi Sunak wurde am 12. Mai 1980 in Southampton als Sohn indischer Einwanderer geboren. Sein Vater war Hausarzt, seine Mutter Apothekerin. Die Familie legte großen Wert auf Bildung – Sunak besuchte das renommierte Winchester College, eine der ältesten Privatschulen Englands. Dort wurde er Schulsprecher und schloss mit Bestnoten ab. Anschließend studierte er Philosophie, Politik und Wirtschaft (PPE) an der University of Oxford. Mit einem Fulbright-Stipendium absolvierte er einen MBA an der Stanford University in Kalifornien, wo er auch seine spätere Frau Akshata Murthy kennenlernte.

Karriere als Banker und Investor

Nach seinem Studium begann Sunak seine Karriere als Analyst bei der US-Investmentbank Goldman Sachs in London. Dort sammelte er erste Erfahrungen im Finanzsektor. Später wechselte er zu The Children’s Investment Fund Management (TCI), einem Hedgefonds, bei dem er Partner wurde. Im Jahr 2010 gründete er mit ehemaligen Kollegen die Investmentfirma Theleme Partners. Sein Schwiegervater, der indische Milliardär N.R. Narayana Murthy, machte ihn zum Direktor der Investmentfirma Catamaran Ventures. Durch diese Tätigkeiten baute Sunak ein beträchtliches Vermögen auf, das gemeinsam mit dem seiner Frau auf rund 651 Millionen Pfund geschätzt wird. Die britische Presse bezeichnete ihn deshalb oft als „Goldjungen“ der Konservativen.

Einstieg in die Politik

Sunak trat 2014 der Konservativen Partei bei. Bereits 2015 wurde er als Kandidat für den Wahlkreis Richmond in North Yorkshire aufgestellt – ein sicherer Sitz für die Tories. Er gewann die Wahl und zog ins Unterhaus ein. Seinen Amtseid legte er auf die Bhagavad Gita, das heilige Buch der Hindus, ab. Im EU-Referendum 2016 stimmte er für den Brexit, was ihm bei den konservativen Hardlinern Respekt einbrachte. Unter Premierministerin Theresa May wurde er 2018 Unterstaatssekretär im Ministerium für Wohnungswesen, Kommunen und lokale Selbstverwaltung. Seine Arbeit dort wurde geschätzt, aber der große Durchbruch kam unter Boris Johnson.

Aufstieg zum Finanzminister

Im Juli 2019 berief Boris Johnson Sunak als Finanzstaatssekretär unter Schatzkanzler Sajid Javid. Nur ein Jahr später, im Februar 2020, wurde Sunak selbst zum Schatzkanzler ernannt. In dieser Rolle war er maßgeblich für die wirtschaftliche Reaktion auf die COVID-19-Pandemie verantwortlich. Er führte das umfangreiche Kurzarbeitergeld (Coronavirus Job Retention Scheme) ein, das Millionen Jobs rettete, sowie verschiedene Hilfspakete für Unternehmen. Seine Popularität stieg rapide, und er galt als einer der beliebtesten Politiker des Landes. Allerdings belasteten auch Kontroversen seine Amtszeit: Die Steuervermeidung seiner Frau – sie war als Nicht-Britin nicht verpflichtet, auf ausländische Einkünfte britische Steuern zu zahlen – sorgte für Schlagzeilen. Nach heftiger Kritik erklärte sich Murthy bereit, alle Einkünfte in Großbritannien zu versteuern.

Rücktritt und Kandidatur für das Amt des Premierministers

Im Juli 2022 trat Sunak aus Protest gegen Boris Johnsons Führungsstil als Finanzminister zurück. Nur wenige Tage später kündigte er seine Kandidatur als Parteivorsitzender und Premierminister an. In der parteiinternen Abstimmung unterlag er jedoch Liz Truss, die schließlich zur neuen Premierministerin gewählt wurde. Truss‘ radikale Steuerreformpläne führten jedoch zu einem Chaos an den Finanzmärkten und zum Verlust ihrer Autorität. Nach nur 49 Tagen trat sie zurück – die kürzeste Amtszeit in der britischen Geschichte. Sunak nutzte die Gelegenheit und kandidierte erneut. Da seine Konkurrentin Penny Mordaunt nicht genügend Unterstützung erhielt, wurde Sunak am 24. Oktober 2022 zum neuen Parteichef und Premierminister ernannt.

Premierminister und politische Ziele

Als Premierminister setzt Sunak auf wirtschaftliche Stabilität und Steuersenkungen. Im Mai 2024 beantragte er die vorzeitige Auflösung des Parlaments und rief Neuwahlen für den 4. Juli 2024 aus. Sein Wahlprogramm umfasst Steuersenkungen im Wert von etwa 20 Milliarden Euro, die Einstellung von 8.000 zusätzlichen Polizisten, härtere Strafen für Schwerverbrecher und eine jährliche Obergrenze für Migranten. Besonders die Migration ist ein zentrales Thema – allerdings erklärte der Oberste Gerichtshof im November 2023 einen Teil seiner Asylgesetze für verfassungswidrig, die die Abschiebung von Geflüchteten ohne Asylverfahren nach Ruanda vorsahen. Sunak bemüht sich, als Verfechter des Brexits und der konservativen Werte zu profilieren, während seine Gegner kritisieren, dass er als Multimillionär die Sorgen normaler Bürger nicht nachvollziehen könne.

Privatleben und Vermögen

Sunak lebt mit seiner Frau Akshata Murthy und den beiden Töchtern Anoushka und Krishna in London. Die Familie besitzt mehrere Immobilien, darunter ein Anwesen im gehobenen Stadtteil Kensington im Wert von rund 7 Millionen Pfund. Sunaks Schwiegervater N.R. Narayana Murthy ist einer der reichsten Männer Indiens und Gründer des IT-Konzerns Infosys. In einem Brief beschrieb er Sunak als „brillant, gutaussehend und ehrlich“. Ihre Ehe wird trotz Andeutungen über arrangierte Heirat als Liebesheirat dargestellt. Der tiefgläubige Hindu Sunak besucht regelmäßig Tempel und bekennt sich öffentlich zu seiner Religion. Er gilt als Anhänger der ehemaligen Premierministerin Margaret Thatcher und vertritt marktliberale Positionen: schlanker Staat, niedrige Steuern und freier Markt.

Kontroversen und Herausforderungen

Neben der Steueraffäre seiner Frau steht Sunak auch wegen seines eigenen Reichtums in der Kritik. Die Lebenshaltungskostenkrise trifft viele Briten hart, während der Premier selbst über ein immenses Vermögen verfügt. Im Wahlkampf versucht er dennoch, sich als bodenständig zu präsentieren. Seine Entscheidung, die frühe Neuwahl auszurufen, wurde als Versuch gedeutet, die schwache Popularität der Konservativen zu nutzen, bevor sie weiter sinkt. Die Umfragen sehen die Labour Party unter Keir Starmer derzeit vorn. Sunak hofft auf einen Kurswechsel durch Steuersenkungen und eine strenge Migrationspolitik, doch sein Erfolg hängt von der wirtschaftlichen Erholung ab. Die Inflation ist gesunken, aber viele Familien spüren immer noch hohe Preise. Der Premier steht vor der Herausforderung, das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen, die nach dem Chaos der Johnson- und Truss-Jahre verunsichert sind.

Fazit

Rishi Sunaks Aufstieg vom Sohn indischer Einwanderer zum britischen Premierminister ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Seine Karriere zeigt, wie Talent, harte Arbeit und privilegierte Verbindungen zusammenwirken können. Ob er sich im Amt behaupten kann, wird die Zukunft weisen. Seine Politik, sein Umgang mit der Wirtschaftskrise und die bevorstehende Wahl werden darüber entscheiden, ob er als erfolgreicher Regierungschef in die Geschichte eingeht oder nur eine Übergangsfigur bleibt. Fest steht: Rishi Sunak hat bereits jetzt Geschichte geschrieben – als erster nicht-weißer Premier und als einer der reichsten Bewohner der Downing Street.


Source: Merkur News


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