Nach Josh Brolin als Weltenzerstörer Thanos sollte Jonathan Majors als Kang der Eroberer der nächste große Strippenzieher im Marvel Cinematic Universe (MCU) werden. Als der 34-jährige Darsteller jedoch im Rahmen der Vorwürfe der häuslichen Gewalt im Dezember 2024 in zwei von vier Anklagepunkten für schuldig gesprochen wurde, trennten sich die Wege zwischen den Marvel Studios und Jonathan Majors. Seither spekulieren Fans und Medien gleichermaßen, wie es mit der Figur Kang weitergeht – und welche Auswirkungen dies auf die Zukunft des MCU haben könnte.
Kang der Eroberer: Eine kurze Einführung
Kang debütierte im MCU in der Disney+-Serie „Loki“ (Staffel 1, 2021), gespielt von Jonathan Majors. Dort trat er als „Der, der bleibt“ auf, eine friedliche Variante des Eroberers, die das Time Variance Authority (TVA) erschuf. Diese Version von Kang wurde von Sylvie getötet, was die Multiversums-Saga einleitete. Später tauchte Kang als Antagonist im Film „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“ (2023) auf, wo er als gefallener Eroberer aus dem Quantenreich vorgestellt wurde. Trotz der gemischten Kritiken zum Film etablierte Kang sich als zentrale Bedrohung, die drohte, die Realität selbst zu zerreißen. Sein Tod am Ende des Films war jedoch nur eine Niederlage einer von unzähligen Kang-Varianten – was die Tür für die „Kang-Dynastie“ weit öffnete.
Ursprünglich war „Avengers: The Kang Dynasty“ als fünfter Avengers-Film angekündigt, der die Kang-Handlung abschließen sollte, gefolgt von „Avengers: Secret Wars“. Doch nach den Kontroversen um Jonathan Majors strich Marvel den Titel und ließ die Veröffentlichungsdaten unverändert. Nun deuten Gerüchte darauf hin, dass die Figur Kang nicht fallengelassen wird, sondern lediglich neu besetzt wird.
Der Bericht von Brancheninsider Daniel Richtman
Laut einer Meldung des Brancheninsiders Daniel Richtman (via JoBlo.com) halten die Marvel Studios wohl an Kang fest. Der Influencer und Autor schreibt, dass Marvel Kang weiterhin als Antagonist für „Avengers 5“ (der zunächst „Avengers: The Kang Dynasty“ hieß, diesen Titel aber verloren hat) sowie das darauf folgende Sequel „Avengers: Secret Wars“ fungieren soll. Da Daniel Richtman jedoch keine absolut zuverlässige Quelle ist und die Marvel Studios diese Info nicht bestätigt haben, ist die Nachricht zum aktuellen Zeitpunkt als Gerücht zu behandeln. Dennoch passt diese Information zu den Kalkulationen vieler Marvel-Experten: Kang ist nicht nur ein Schurke, sondern ein ganzes Kollektiv von alternativen Versionen seiner selbst. Eine Neubesetzung wäre daher narrativ leichter zu handhaben als eine komplette Streichung der Figur.
Die Marvel Studios stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Einerseits möchten sie das Vertrauen der Fans nicht durch eine übereilt wirkende Ersetzung des Hauptantagonisten gefährden. Andererseits ist die Kang-Handlung bereits tief in die laufende Multiversums-Saga verwoben – mit Auftritten in „Loki“ (Staffel 2), „Quantumania“ und möglichen Cameos in „Deadpool & Wolverine“ oder „The Marvels“. Ein radikaler Bruch mit Kang würde die gesamte Planung der „Multiversums-Saga“ (Phase 5 und 6) in Frage stellen.
Wer könnte Jonathan Majors als Kang ersetzen?
Im Netz kursieren momentan einige Namen von Schauspielern, die – zumindest laut Marvel-Fans – als Nachfolger für Jonathan Majors in Frage kämen. Am häufigsten dürftet ihr wohl über den Namen Colman Domingo stolpern. Der 54-jährige Darsteller ist aus Produktionen wie „Fear the Walking Dead“, „Euphoria“ und „Beale Street“ bekannt und hat sich bereits zu dem Kang-Thema geäußert: „Mein Team unterhält sich seit Jahren mit Marvel über einige Aspekte des MCU. Weiß ich, ob das [Kang-Gerücht] wahr ist oder nicht? Ich weiß es eigentlich nicht. Ich habe das Gefühl, dass mein Team mir nur dann etwas bringt, wenn es echt ist. Ich weiß es also nicht. Ich könnte im Gespräch sein, aber ich bin mir nicht sicher. Ich würde ein Gespräch darüber begrüßen. Was auch immer sie mit Jonathan [Majors] und seinem Vermächtnis im MCU ausarbeiten, ich habe das Gefühl, dass ich einfach in meiner eigenen Spur bleiben muss, was auch immer das ist. Es gibt Hörensagen, es gibt Gespräche, aber ich bin mir nicht einmal sicher, weil ich das Gefühl habe, dass ich nichts mitbekomme, bevor es nicht real ist. Aber ich wäre damit einverstanden.“
ScreenRant listet unter anderem folgende Stars auf, die in ihren Augen ebenfalls einen großartigen Kang abgeben würden: Will Smith („King Richard“), John Boyega („Star Wars: Das Erwachen der Macht“), Jeffrey Wright („Casino Royale“) sowie Regé-Jean Page („Bridgerton“). Doch auch hier gelten die Vorschläge mit Vorsicht zu genießen, denn es handelt sich bislang lediglich um Wunschvorstellungen.
Die Diskussion um einen neuen Kang-Darsteller offenbart eine grundsätzliche Herausforderung: Kang ist keine klassische Einzelfigur, sondern er existiert in unzähligen Varianten – das ermöglicht es, dass ein neuer Schauspieler nicht den einen Kang ersetzt, sondern eine andere Variante spielt. So könnte die Kontinuität gewahrt werden, ohne den Zuschauern das Gefühl eines „Reboots“ zu geben. Ein Paradebeispiel dafür lieferte bereits das MCU mit Thanos: Josh Brolin spielte den Titanen sowohl in „Guardians of the Galaxy“ als auch in den Avengers-Filmen, obwohl die Darstellung in „Endgame“ eine andere Version des Charakters war (der Thanos aus der Vergangenheit). Marvel könnte diesen Trick bei Kang wiederholen, indem die neue Version einfach eine andere Kang-Variante darstellt.
Historische Vergleiche: Wie Marvel schon früher Rollen umbesetzte
Die Neubesetzung einer so wichtigen Rolle im MCU ist kein Novum. Bereits 2010 wurde Edward Norton als Bruce Banner/Hulk durch Mark Ruffalo ersetzt. Norton hatte 2008 in „Der unglaublicliche Hulk“ die Rolle gespielt, doch Marvel Studios entschied sich aufgrund kreativer Differenzen für einen Neustart mit Ruffalo. Der Wechsel fiel den Fans zunächst schwer, doch Ruffalo machte die Rolle zu seiner eigenen und ist bis heute eine der beliebtesten Figuren des MCU. Ein weiteres Beispiel: Howard Stark wurde zunächst von Gerard Sanders in „Captain America: The First Avenger“ gespielt, später aber für die Szenen in „Iron Man 2“ mit John Slattery neu besetzt. Sogar der Erfinder des MCU selbst, Iron Man/Tony Stark, war ursprünglich für Sam Rockwell angedacht (der dann Justin Hammer spielte), bevor Robert Downey Jr. die Rolle erhielt. Jede Neubesetzung war ein Wagnis, doch Marvel zeigte stets ein gutes Händchen bei der Auswahl der Schauspieler.
Besonders bemerkenswert ist der Fall von Terrance Howard: Er spielte James „Rhodey“ Rhodes in „Iron Man“ (2008), wurde aber für die Fortsetzung durch Don Cheadle ersetzt. Grund waren Vertragsstreitigkeiten. Marvel löste das Problem in der Erzählung, indem Cheadle einfach die Rolle übernahm, ohne eine Erklärung im Film – die Fans akzeptierten es. Bei Kang könnte ähnlich verfahren werden: Ein neuer Darsteller tritt auf, und die Geschichte erklärt nicht, ob es sich um dieselbe oder eine andere Variante handelt.
Die Bedeutung von Kang für die Multiversums-Saga
Kang ist nicht nur ein weiterer Schurke – er ist das Rückgrat der gesamten Multiversums-Saga, die Phasen 4, 5 und 6 umfasst. Anders als Thanos, der über sechs Filme hinweg als „Endboss“ aufgebaut wurde, ist Kang bereits als fraktioniertes Wesen eingeführt worden, dessen verschiedene Versionen die Realität bedrohen. In „Loki“ wurde die TVA als Hüter der „heiligen Zeitlinie“ vorgestellt, die nur durch Kangs Kontrolle existiert. Nach Sylvies Mord an „Dem, der bleibt“ entfesselte sie unzählige alternative Zeitlinien, die jeweils von einer anderen Kang-Variante beherrscht werden. Diese Handlung – der Multiversum-Krieg – ist der Kern von „Avengers: The Kang Dynasty“ und „Secret Wars“. Ohne Kang müsste Marvel diesen gesamten Handlungsbogen neu schreiben, was zu erheblichen Verzögerungen und Qualitätseinbußen führen könnte.
Einige Gerüchte besagen, dass Marvel die Kang-Handlung zugunsten von Doctor Doom (Victor von Doom) aufgibt, der in den kommenden Jahren sein MCU-Debüt im „Fantastic Four“-Film feiern soll. Die Idee: Doom tritt in die Fußstapfen von Thanos und Kang und wird zum übergreifenden Bösewicht. Doch ein Wechsel zu Doom wäre thematisch riskant, da Doom bereits eine komplexe eigene Hintergrundgeschichte hat, die mit Latveria, Magie und Technologie verwoben ist. Zudem wäre die Aufbauzeit knapp: „Fantasitc Four“ erscheint im Mai 2025, und Doom müsste bereits in „Avengers 5“ (geplant für Mai 2026) eine zentrale Rolle spielen – zu wenig Zeit, um den Charakter angemessen einzuführen.
Kang dagegen hat bereits Filme und Serien für sich eingenommen. Die Figuren des MCU – wie Loki, Sylvie, Mobius, Ant-Man, die Wasp und Cassie Lang – sind direkt mit Kang verbunden. Die Zuschauer haben emotional investiert, als Kang in „Quantumania“ besiegt wurde. Eine Absetzung der Figur würde alle diese Handlungsfäden durchtrennen. Daher ist die Entscheidung, Kang neu zu besetzen, aus erzählerischer Sicht die logischere.
Marvels Reaktionsstrategie auf die Kontroverse
Die Trennung von Jonathan Majors erfolgte unmittelbar nach dem Schuldspruch im Dezember 2024. Marvel Studios gab eine Pressemitteilung heraus, in der sie ihre „klare Haltung gegen jede Form von Gewalt“ betonten und Majors fallen ließen. Seitdem herrscht Stille über die Zukunft der Figur. Kevin Feige, der Präsident von Marvel Studios, soll sich jedoch in internen Meetings für eine Neubesetzung von Kang ausgesprochen haben, so zumindest Brancheninsider. Offiziell hat Marvel keine Stellungnahme abgegeben, was die Gerüchte noch nährt.
Die Verzögerung bei der Bekanntgabe eines neuen Darstellers könnte taktische Gründe haben: Marvel möchte die Aufmerksamkeit nicht von der anstehenden Veröffentlichung von „Deadpool & Wolverine“ (Juli 2024) ablenken, das ebenfalls als wichtiger Schritt im Multiversum gilt. Zudem will man die Fans an die Idee gewöhnen, dass Kang nach wie vor relevant ist, bevor man den Gesichtswechsel präsentiert. Colman Domingo hat bereits Interesse signalisiert, und andere Kandidaten wie John Boyega oder Jeffrey Wright wären ebenfalls vielversprechende Neuzugänge.
Was bedeutet das für die Avengers-Filme?
„Avengers 5“ – offiziell noch ohne Untertitel – soll im Mai 2026 starten, gefolgt von „Avengers: Secret Wars“ im Mai 2027. Die Produktion des ersten Films ist bereits in der Vorbereitungsphase; das Drehbuch wurde von Michael Waldron („Loki“, „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“) geschrieben. Sollte Kang tatsächlich der Antagonist bleiben, werden die Dreharbeiten voraussichtlich im Frühjahr 2025 beginnen – rechtzeitig, um einen neuen Darsteller zu casten.
Die Entscheidung für Kang hat auch Auswirkungen auf die Figurenentwicklung. In den Comics ist Kang ein Eroberer aus dem 31. Jahrhundert, der durch die Zeit reist. Im MCU wurde dies auf das Multiversum ausgedehnt: Jede Variante repräsentiert eine andere Zeitlinie. Der Tod einer Variante hat keine permanenten Konsequenzen, da eine andere Variante die Rolle übernehmen kann. Dies ist der perfekte narrative Kniff, um den Schauspielerwechsel zu kaschieren: Der in „Quantumania“ getötete Kang ist tot, aber die Kang-Variante, die in „Avengers 5“ auftritt, könnte eine andere sein – vielleicht sogar die Version aus „Loki“ Staffel 2, die wir bisher nicht gesehen haben.
Zudem müssen die Drehbuchautoren die Frage beantworten, wie die Avengers mit einer so unendlichen Bedrohung umgehen. Die Comicvorlage „Secret Wars“ (2015) zeigte einen Kampf zwischen verschiedenen Realitäten, der durch die „Eingriffe“ von Molecule Man und Doctor Doom gelöst wurde. Ob das MCU diese Handlung exakt übernimmt oder stark abwandelt, bleibt abzuwarten. Fest steht: Kang ist der Schlüssel zu dieser Saga.
Fanreaktionen und Erwartungen
In den sozialen Medien ist die Stimmung gespalten. Viele Fans sind enttäuscht über die Kontroversen um Majors und zeigen Verständnis für eine Neubesetzung. Andere fordern, Marvel solle Kang komplett fallen lassen und stattdessen Doctor Doom als Hauptantagonisten aufbauen. Eine dritte Gruppe hofft auf einen Schauspieler wie Colman Domingo, der durch seine schauspielerische Bandbreite und sein Charisma überzeugen könnte. Die Marvel Studios stehen unter Druck: Die letzten Produktionen („Quantumania“, „The Marvels“) waren kommerzielle Enttäuschungen, und das Vertrauen der Fans ist angekratzt. Ein gelungenes Kang-Casting und eine starke Inszenierung von „Avengers 5“ könnten das Ruder herumreißen.
Die Diskussion um Kang zeigt, wie sehr das MCU von einer überzeugenden Bösewichtdarstellung abhängig ist. Thanos war ein Meisterwerk an Charakterisierung, und Kang hat das Potenzial, ähnlich ikonisch zu werden. Die nächsten Wochen und Monate werden entscheiden, ob Marvel dieses Potenzial nutzt.
Wenn ihr euch noch einmal ansehen möchtet, wie ein richtig guter Superschurke im MCU funktioniert, dann könnt ihr euch die MCU-Werke mit Thanos bei Disney+ ansehen. Alles, was ihr dafür benötigt, ist eine Mitgliedschaft bei dem Streaminganbieter. In einigen Wochen erwartet euch mit „Deadpool & Wolverine“ das große Marvel-Kino-Highlight 2024. Worauf ihr euch einstimmen könnt, verrät euch der erste Trailer, der bereits online ist.
Source: KINO News